Wortwerkstatt

 Prof. Wilfried Stanzer spricht über sein Projekt

Das Projekt AIT KHOZEMA ist nur zu verstehen, wenn man die Person dahinter kennt.

Ich bin Österreichs einziger hauptberuflicher Teppichwissenschaftler und hatte das Glück, von allem Anfang an die bedeutendsten Fachleute der Welt - egal ob Museumskuratoren oder engagierte Sammler - als Freunde und Mentoren um mich zu haben.

Ich war Präsident der österreichischen Gesellschaft zur Förderung der Textil-Kunst-Forschung, weiters bin ich Präsident der ICOC, International Conference on Oriental Carpets, des höchsten internationalen Gremiums der Teppichwissenschaft. Ich schrieb Fachbücher und bin stolz darauf, daß diese mehr McMullan- Awards einstreiften als der Rest von Europa.

Dieser abgehobenen Plattform der Forschung entstieg ich ganz gewiss nicht, um einer mehr in der Heerschar von Teppichherstellern zu sein.

Ich will dem Orientteppich, der droht, als lieblose Massenware zu verkommen, über äußere Werte - wie beste Wollqualität, chemiefreie Wollaufarbeitung, beste handwerkliche Verarbeitung von der Wollwäsche angefangen bis zum Knüpfen; und durch eine lebendige Musterführung aus der weitläufigen Mustervielfalt des Herstellerlandes - damit will ich dem Orientteppich seine inneren Werte wiedergeben.

Wenn durch das Projekt Ait Khozema ein oder mehrere Dörfer von der Abwanderung in die Großstädte verschont bleibt, so ist dies ein erfreulicher sozialer Effekt. Aber erst wenn die Knüpferin und die gesamte Dorfgemeinschaft stolz auf jeden einzelnen Teppich ist und bereit ist, das gewonnene Ansehen durch ständiges Verbessern zu verteidigen, dann wird jedes Stück die Seele der Knüpferin widerspiegeln, sie wird ihren Stolz, ihre Hoffnungen und Ängste in den Teppich einbringen. Sodann beinhaltet der Orientteppich das, was Jahrhunderte seine Faszination vermittelte.

Darum eignen sich Ait Khozema-Teppiche nicht zum Hallenverkauf, wo tausende Teppiche lagern, hergestellt aus um 1/6 billigere Wolle, die maschinell aufbereitet und chemisch veredelt wurde. AIT KHOZEMA-TEPPICHE sind keine Massenware - nicht weil davon nur 300 Stück pro Jahr entstehen, sondern weil sie eine Philosophie verkörpern, die sich nur Menschen mit verfeinerten Sensoren eröffnet.

Ich bin Stolz darauf, dass die AIT KHOZEMA-TEPPICHE von der hochgebildeten Oberschicht Marokkos und von den Modedesignern Frankreichs für sich entdeckt wurden. Diese elitäre Zuwendung verleiht zusätzliches Charisma.

Ich danke allen, die mitgeholfen haben, dieses Projekt auf ein Niveau zu bringen, wo es mit einigen wenigen ähnlichen Projekten dem Teppichhandel als Speerspitze dienend Trends bewirken kann. Dann wird der Orientteppich wiederum bei Millionen von Menschen das gewisse Prickeln erregen - führt diese aufgefrischte Zuneigung zu einem Besitzwunsch, so sichert es Millionen von Menschen den Verbleib in ihren Dörfern und in ihrem ureigenen kulturellen Umfeld.





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