Es gibt Wildenten, die schon so denaturiert sind wie wir Menschen. Als Single in einer Beton-Nische am Wasser des Schafbergbades lebend. Verschlafen um 1/2 10 vormittags den Kopf aus dem dunklen und warmen Federbett hervorhebend, um wegen der Störung durch vorbeischwimmende Frühaufsteher indigniert zu schauen. Den Kopf wieder einbettend weiterschlunzend. Vielleicht träumt sie davon in Schweden mit Tausenden anderen Wildenten Formation zu fliegen? Vielleicht würde sie lieber mit einer anderen Ente hier am Betonufer dieses Wassers sitzen. Oder sie will einfach nur ang´lahnt bleiben, so wie wir Desoziierten das häufig wollen.
Postscriptum für unsere deutschen Freunde:
Schlunzen: Mittelding zwischen Dösen + Schlafen
Ang´lahnt bleiben: von anderen Menschen verschont bleiben
PPS: Karls Kraus:
“Was die Deutschen und die Österreicher unterscheidet, ist die gemeinsame Sprache”
274m Seehöhe, Blick über ganz Wien, aus dem höchst gelegenen Schwimmbad der Stadt. Wolkenverhangener Himmel. Atmosphäre hell und freundlich, gar nicht bedrohlich. Die Wolken signalisieren, dass sie schwanger gehen. Regenschwangere, doch freundliche Wolken. Frühphase. Ausreichend, dass sich potentielle Badegäste verweigern. Die Arbeiter im Bad in Siesta-Laune. Die Wolken signalisieren ein baldiges Arbeitsende. Leise summen sie Hans Mosers “Sperrstund is” ...
Doch dann. 5000 Hektoliter sauberes, blitzblaues Wasser. Nur für mich alleine. Spiegelglatte Wasseroberfläche. Ein großes Bett. Frisch bezogen. Eintauchen und sich räkeln. Es ist frisch, aber nicht unangenehm kalt. Es macht Freude, sich darin zu bewegen. Harmonie der Bewegung und Einklang zwischen den Elementen zu suchen.
Nach vier-, fünfhundert Metern wird das Unglaubliche für wenige Minuten wahr. Die Wolkendecke öffnet sich zögerlich. Ein kleines Stück. Sonnenstrahlen wittern eine Chance. Rückenschwimmend erblinzle ich mir die Geometrie dieses Lichts. Erahne darin Ikarus. Fürchte um ihn, denn bald werden ihn die Wolken verschlingen. Doch vorerst: Wonne pur.
Während des Duschens gleitet der Blick über die Stadt. Schön ist sie. Auch ohne Postkartenwetter. Vor allem von hier oben. Wenn man das Privileg hat, am helllichten Tag die Niederungen des Alltags dort unten für kurze, aber erfüllende Augenblicke hintanzustellen. Kraft auftanken. Achtung Welt, ich komme.
Kriegsgeschrei trollt sich grummelnd von dannen, einsam orakelt eine Friedenspfeife ins Himmelsblau,
malt Geheimschrift- und Fragezeichen. Eingestreute Comics stimmen versöhnlich.
Hoher Seegang irgendwo in den Weiten des Ichs - dort, unter bizarren Pfahlbauten, in denen der Kriegslärm zusammen mit den Chronisten der verlorenen Chancen haust.
Wortgefechte als Seins- und Seltsamkeit als Gefühlszustand.
Abendsonne am Horizont glättet die Wogen, zaubert eine stahlblau flimmernde Oberfläche und Momentaufnahmen der Unendlichkeit des status quo herbei. Ohne Chance auf einen neuen ungewissen Anfang.
Rebellion und Gebrüll in den Katakomben der Innenwelt, Gralswächter des Seelenheils werden gemeuchelt. Betroffenheit bei den Pompfüneberern scheintoter Gefühle. Behutsames Bergen stark unterkühlter Opfer.
Manche von ihnen fragen sich: Warum? Nun, wo bereits alles vorbei schien. Und wo der nahende Tod Befriedung versprach. Jetzt, gerade jetzt, regt sich Widerstand!?
Widerstand gegen die Brachlage üppig gesäter Zuneigung. Aufrufe zu Hege mit anschließendem Erntedankfest. Verfassung von Memoranden zur Festigung der Moral. Rege Betriebsamkeit in den Wandelgängen der Ganglien.
Computer werden angeworfen, Netzverbindungen hergestellt Als Kommunikation möglich wäre, geht das Licht aus. Warum bist Du schon wieder durchgeknallt? Bist Du nicht? Bist Du schon!
Was drückt mir auf den Magen?
