Jannis - Literary & Picturesque Outbursts
Texte
0. Wie alles begann
1. Begfex, die erste
2. Radio Chorzow:
3. Als der Schwalbenonkel uns das Reisgeld kürzte
4. Schwalbenonkel II
Beim Wirtn
BITTE ANSCHNALLEN !
Claire
Das Schulterblatt
Der Richter:
Die Geselligkeit
Die Phantasie
Dracula
Ein Geist
Es wanken die Gedanken
Felix
Hühner pein
Herein!
Liebe Grüße
Nur kurz der Furz
Ob Wochen, ob Ende
Vogelgelage
Zum Thema Tierschutz und EU:
3. Als der Schwalbenonkel uns das Reisgeld kürzte

Vor langer, langer Zeit, als die Mäuse noch Schultaschen und die Gärten ihr Haar noch offen trugen, da begab es sich einmal, dass der Sommer nicht kommen wollte. Es wurde Juni, es wurde Juli - doch der Sommer, er kam einfach nicht. Nicht dass es kalt gewesen wäre, nein, aber es war irgendwie nicht wirklich Sommer.

In unserem Dorf lebte damals ein ehemaliger Fußballspieler, der in seiner aktiven Zeit vor allem dadurch berühmt geworden war, dass er die Schiedsrichter oft und oft durch geschicktes Hinfallen im Strafraum dazu hatte verleiten können, Elfmeter zu pfeifen, und der so seine Mannschaft unzählige Male auf die Siegerstraße gebracht hatte.

Mit dieser Strategie hatte er auf der ganzen Welt Erfolg gehabt und deshalb finanziell ausgesorgt. Und genau aus diesem Grund konnte er es sich leisten, uns Kindern im Dorf eine Art Taschengeld zu zahlen. Wir mußten ihm dafür bloß sämtliche Singvögel vom Leibe halten (er mochte nämlich das Gezwitscher nicht, und das Herumschwirren der gefiederten - man war in seinem Fall schon fast versucht zu sagen “Feinde” - machte ihn ganz nervös).

Wir hatten damals (wie heute) nichts im Kopf (außer vielleicht spielen) und ich erinnere mich, wir hatten ein Lieblingsspiel, und das hieß: “China”. Wir konnten es Tag und Nacht spielen und das taten wir auch. Ein Teil des Spiels bestand daraus, sich einen Bart wie Dschingis Khan wachsen zu lassen, der andere (und da waren wir weit erfolgreicher) darin, ins ortsansässige China-Restaurant zu gehen, sich den Bauch vollzuschlagen und süßsauer zu lächeln.

Leisten konnten wir uns das alles hauptsächlich auf Grund unserer einträglichen Nebenbeschäftigung beim “Schwalbenonkel”, und es ging auch lange gut, bis zu jenem Sommer, der gar keiner war, doch davon soll unsere nächste Folge (mit dem heutigen Titel) handeln, denn im Moment fällt mir beim besten Willen nichts mehr ein und außerdem ist mein Mund schon ganz trocken.

Bilder & Texte (c) Jannis Minopulos. Diese Seiten sind Teil der Wortwerkstatt. Design & Updates: Andrea Sturm.