Peter Altenberg - Herbstabend
(in “Wie ich es sehe”, 2. Aufl., Berlin 1898)
Die Wellen des Sees pritscheln leise an den Ufersteinen - - -.
Das wunderschöne Hotel am See-Ufer schläft den langen Herbstschlaf,
den Winterschlaf. Die weißen Fensterläden sind geschlossen. Der
grüne Laubengang ist ein bißchen gelb geworden und durchsichtig - -
-.
Wo ist das Fräulein?! Wo der liebende Jüngling?! Wo ist der
»Grieche«?! Wo sind Margueritta und Rositta und der Herr von
Bergmann mit den krummen Beinchen?!
Wo ist die braunblonde Fischerin?! Wo der Amerikaner und die
Russin?! Wo ist die Dame und ihr »Familienglück«?!
Der Herbst hat sie verweht wie die gelben Blätter im Parke der
Königin - - -!
Die Wellen des Sees pritscheln leise an den Ufersteinen - -. Und die
achtunddreißig Schwäne ruhen im Kreise nebeneinander auf der
glattgeschliffenen schwarzen Onyxfläche
Sie schreien hie und da in die Nacht hinaus: »irrrá irrrá - - - -.«
Aber in den Sommernächten haben sie es sanft gesungen: »irrrâ irrrâ
- - -.«
Sie wissen eben auch, daß die Saison zu Ende ist - - - irrá!
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