Träume träumen
Im Traum stirbt der traumlose Träumer. Die Uhr bleibt in der Tasche der Träumerin, schwer und zart. Erinnerung an ein Handgelenk, das nicht mehr ist. Tag um Tag. Jahr um Jahr. “Bewahr sie für mich, bis ich wiederkomme.” - “Ja, klar.”
Schwingtüren, gleißende Lichter. Ein Messer. Blut.
Nichts mehr.
“Bewahre sie, bis er wiederkommt” sagte die alte Zigeunerin. Das Kerzenlicht in ihren Augen flackrig, wie Irrsinn. Die Uhr in der Tasche der Träumerin. An guten Tagen ein Versprechen, dann wieder hilflose Schuld.
Endlich dieser Junge. Die Augen des traumlosen Träumers. Sein fragender Blick.
Der Vater, der auch Sohn ist, versteht nicht - aber er gibt sein Wort. Das genügt.
Die Tasche ohne Uhr ist leer. Die Träumerin erwacht in einen neuen Traum: “Willst du sie nicht behalten?” fragt ein blasses Lächeln, ganz lebendig. “Nein, nein!” lacht die Träumerin. Der Traum bleibt ihr stille Drohung.
“Versteh einer die Frauen” schweigt der traumlose Träumer, eh er in einen traumlosen Schlaf versinkt.